Transsexualität – Frauen im falschen Körper

Simone Kurz ist transsexuell. Sie kam als Thomas auf die Welt und ist eine von schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen in Deutschland, die sich nicht mit ihrem angeborenen Geschlecht identifizieren können. Erst im Alter von 50 Jahren wagte Simone den Schritt zum Coming Out. Über die Folgen, ihre Geschlechtsumwandlung und ihr Leben als Frau hat sie mit DailySpice gesprochen.

Gerade 20 Jahre alt spürt Thomas, dass er sich in seinem Körper nicht wohl fühlt. „Ich habe damals oft Frauenklamotten angezogen. Natürlich heimlich.“ Erwischt worden sei sie aber nie, witzelt Simone. „Sowieso war damals alles ein bisschen anders als heute. Es war ja schon schlimm, wenn du schwul warst. Aber Transsexualität, das ging in der Gesellschaft gar nicht!“

„Durch meine Unsicherheit bin ich bald schwer depressiv geworden. Ich war sehr lange in psychologischer Behandlung, aber nichts hat mir richtig geholfen. Ich war alleine.“ Simones Stimme bricht ab. Gerade wenn sie über emotional belastbare Erfahrungen erzählt, zeigt sich ihre krankheitsbedingte Sprachstörung. „Erst als ich dann viel später, mit fast 50, bei einer Psychologin ganz offen über alles reden konnte, wurde es besser.“

Trotz anfänglicher Scham entschied Simone, sich komplett zur Frau umwandeln zu lassen. Neben Namensänderung und Hormonbehandlung war vor allem die geschlechtsangleichende OP für sie ein großer Schritt. „Die Ärzte haben mir nach der Abschlussberatung noch Bedenkzeit geben wollen, aber mir war ganz klar: Ich ziehe das durch!“

„Manchmal bekomme ich noch blöde Sprüche zu hören, aber das hat sich eigentlich gelegt. Bei mir auf dem Dorf kennt man mich und ist nett zu mir. Was die Leute sich dann im stillen Kämmerlein denken, ist mir ehrlich gesagt auch egal.“ Manchmal verstünden die Leute ihre Transsexualität einfach noch nicht ganz, meint Simone. „Es passiert mir schon öfter, dass man mich mit Transvestiten oder Drag-Queens verwechselt. In diesem Fall helfen aber eigentlich immer ein paar klare Worte.“

Rückblickend bereue sie die OP auf jeden Fall nicht, unterstreicht Simone. Dennoch, ein bitteres Zugeständnis müsse selbst sie machen: „Ich denke manchmal, niemand will eine Transsexuelle haben.“ Das merke sie vor allem daran, dass sich nach ihrem Outing viele Bekannte von ihr abgewandt haben. Auch die Partnersuche gestalte sich schwierig: „Man findet tatsächlich schlecht jemanden.“

Trotzdem bereut sie nichts: „Aus heutiger Sicht würde ich alles nochmal genauso machen. Es war für mich der einzige Weg, den ich gehen konnte.“


Seit mehreren Jahren ist Simone mittlerweile Würzburger Außenbeauftragte des bundesweiten Vereins Trans-Ident. Sie kümmert sich ehrenamtlich um transsexuelle Menschen jeden Alters und deren Angehörige und berät sie bei Identitäts- und Rechtsfragen. Einmal im Monat gibt es ein Gruppentreffen im Schwul-lesbischen Zentrum im Nigglweg 2 in 97082 Würzburg. „Jeder ist herzlich willkommen, egal wie alt, woher und ob transsexuell oder nicht.“

// Sebastian

Die Quellen für den Beitrag findest du hier.

9 comments

  1. Halo
    Ich bin über FB gekommen und zuerst einmal Danke Simone. Es ist sichee kein einfaches Thema und öffentlich darüber zu sprechen, über seine Gefühle.und den Weg. Jeder der sich dir abgewandt hat, hat es nicht verdient, dich als Freundin zu haben.
    Ich sitze auf der anderen Seite und kann euch sagen, ja auch die Person selbst verändert sich dadurch, da sie nie die sein konnte die sie wollte und ein Scheinleben geführt hat. Man ist geschockt und verunsichert. Was ist, wenn sie dann hetero ist? Als Frau hast du dann verloren, Liebe hin oder her. Der Alltag ändern sich und vieles mehr. Zudem stellt sich die Frage, kann man selbst eine Frau lieben, ist man also bisexuell? Eines ist jedoch immer gleich, Frau (ehemals Mann) möchte akzeptiert und geliebt werden.
    Ein toller Bericht und danke dafür
    Liebe Grüße

    1. DailySpice ( User Karma: 0 ) says:

      Hallo Tanja! 🙂 Toll, dass Du Deine Erfahrungen mit uns teilst! Ich finde sowieso, dass es auf den Menschen ankommt und man sich nicht unbedingt als hetero, bi oder homo bezeichnen muss. In einer Umfrage in unserem neuesten Artikel sagen immerhin 4 %, dass sie sich kein Label geben wollen. Hier kannst Du ihn lesen: http://dailyspice.de/wer-machts-wann-wo-mit-wem/ Es freut mich übrigens sehr, dass Dir der Beitrag gefallen hat!
      Liebe Grüße zurück!
      // Seb

  2. Ich finde es toll das Simone Kurz solche Einblicke in ihre Entscheidung und etwas Gefühlsleben gewährt. Ich finde es Schade das sich Leute von ihr abwenden … Wie formuliere ich das jetzt richtig??? Klar ist es eine „Überraschung/Schock“, wenn eine Person, welche man lange kennt plötzlich „outet“, aber sicher kein Grund sich abzuwenden, ich liebe ja, egal ob in Partnerschaft oder Freundschaft den Charakter einer Person, der ändert sich ja nicht.
    Einen Partner findet sie sicher auch noch, das ist am Land denke ich generell etwas schwieriger, aber auf den Videos kommt sie, vor allem auch mit Mimik und Körpersprache so sympathisch rüber, so jemand bleibt nicht allein

    1. DailySpice ( User Karma: 0 ) says:

      Grundsätzlich gebe ich Dir auch total Recht, Criticalpixie! Simone war Peggy und mir auch sofort sympathisch und wir haben uns super unterhalten. Ich fand es auch bewundernswert und wichtig, wie offen sie mit ihrer Transsexualität umgeht! Sicher wäre es für mich auch erstmal ein Schock, wenn mein Freund sich outen würde, aber – ich denke da so wie Du – lieben tu ich ihn ja trotzdem noch…

      Allerdings war ich auch noch nie in der Situtation und kann jetzt natürlich große Töne spucken. Wie ich dann reagiere, wenn es mir wirklich passiert, weiß ich natürlich nicht…

      // Seb

    1. DailySpice ( User Karma: 0 ) says:

      Danke für Dein liebes Kompliment. Ich kann es auch nicht nachvollziehen :/ Es muss wohl immer noch viel getan werden in Deutschland. Aber ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind!
      // Seb

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