Swingen – Partnertausch und freie Liebe

Elf Jahre lang hat Gaby Neumann einen Swingerclub in der Nähe von Würzburg betrieben. In einem alten Jagdhotel trafen sich Männer und Frauen, die miteinander feierten und sexuelle Fantasien auslebten. Für viele ist Partnertausch und freie Liebe noch immer eine Schreckensvorstellung. Ich habe Gaby gefragt, woran das liegt und was Swingen für sie bedeutet.

„In Swingerclubs habe ich mich schon immer wohlgefühlt“, erzählt Gaby. „Die Menschen dort sind locker und reden offen über jedes Thema. Man braucht dabei keine Angst zu haben, dass Oma schockiert vom Kaffeetisch fällt.“ Sex ist heutzutage in der Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. „Es gibt da eine Grundverklemmtheit, gerade in Bezug auf Swingen. Dabei widerspricht Monogamie aus meiner Sicht total der Natur des Menschen.“

„Bis dass der Tod Euch scheidet“ hatte noch Gültigkeit als Menschen gerade mal so alt wurden wie 27 Jahre!

„Beim Swingen geht es darum, dass man den eigenen Horizont erweitert, Fantasien auslebt und dann schaut, ob es was für einen ist oder nicht.“ Gaby macht eine Pause, ist sich nicht ganz sicher, wie sie die nächsten Sätze formulieren soll. „Ich will das nicht so ‚krass‘ sagen, aber durch unsere gesellschaftlichen Werte sind viele Menschen regelrecht in einer Partnerschaft gefangen. Frauen erhebt man oft zu Heiligen. Sie ist eine tolle Mutter und Köchin, darf deswegen aber keine Hure im Bett sein!“

„Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass Monogamie gegen die Natur des Menschen geht. Da brauchen wir bloß ins restliche Tierreich oder in unsere eigene Geschichte zu schauen.“ In großen Teilen der römischen und griechischen Gesellschaft beispielsweise war freie Liebe gang und gäbe. „Wenn beide Paare zusammen in den Swingerclub gehen, ist das für mich kein Betrügen. Jeder Mensch muss seine sexuellen Fantasien ausleben können. Alles andere macht ihn kaputt!“

Dass man mit der besten Freundin über steckengebliebene Tampons redet, das ist in unserer prüden Gesellschaft vollkommen undenkbar. Dabei ist das ganz normal und passiert unzähligen Frauen!

// Sebastian

Das Gespräch mit Gaby hat mich tief beeindruckt. Sie ist offenkundig eine Frau, die viel Lebenserfahrung mitbringt und fest im Leben steht. Ich glaube, dass sie die Probleme der Gesellschaft im Umgang mit Sexualität richtig einschätzt. Auf mein persönliches Umfeld trifft ihr Vorurteil allerdings nicht zu. Mit meinen Freunden rede ich offen über das Thema. Grundsätzlich bin ich ein direkter Mensch, der sich traut, alles zu fragen, was ihn interessiert. Freie Liebe ist für mich also kein Tabuthema.

Trotzdem ist Partnertausch für mich unvorstellbar. Es mag stimmen, dass gesellschaftliche Normen mein Weltbild beschränken. Aber ich wäre wahnsinnig verletzt und getroffen, wenn mein Freund sich dazu entschließen würde, mit einem anderen ins Bett zu gehen. Es ist sicher richtig, dass man, wenn man ein Leben lang zu zweit bleibt, nicht alle sexuellen Fantasien ausleben kann. Es ist mir zumindest aus jetziger Sicht aber auch viel unwichtiger als eine stabile, respektvolle – und ja – monogame Beziehung.

Geht es Euch ähnlich wie mir? Könntet Ihr Euren Partner tauschen? Habt Ihr das Gefühl, dass Ihr Eure sexuellen Fantasien in Eurer Partnerschaft offen ausleben könnt?

2 comments

  1. bknicole says:

    Ein interessantes Interview, aber ich glaube es überrascht dich nicht, dass ich deine Ansicht teile. Ich finde, dass eine Partnerschaft einen auch viel mehr gibt und es doch nicht Schöneres gibt, als gemeinsam Alt zu werden und auf das Leben zurückzublicken. Auf all die Dinge, die man gemeinsam erreicht, aufgebaut, aber auch durchgestanden hat. Bei einer Partnerschaft geht es ja nicht nur um Vertrauen, Unterstützung und Ehrlichkeit, sondenr auch darum, dass man Krisen gemeinsam bewältigt und jemanden hat, der auch in schlechten Zeiten eine Stütze ist. Wie diese Partnerschaft konkret aussieht, dass darf natürlich jeder selbst für sich entscheiden und wenn beide mit dem Partnerschaftstausch einverstandne ist, dann spricht da auch nichts dagegen, denn das ist immerhin jedem selbst überlassen, aber für mich wäre es nichts.

    Übrigens bin ich froh, dass wir in unserem Freundeskreis echt alles besprechen können, dafür bin ich wirklich dankbar. Zumal mich auch nie jemand von euch verurteilt. Also danke dafür, denn das ist definitiv keine Selbstverständlichkeit.

    Und Danke auch für deine lieben Worte zu meinem Beitrag zum Studium ;).
    Das glaube ich dir, hätte ich auch interessante gefunden, vor allem den Teil mit den Interviews. Ist ja auch sehr interessant zu sehen, wie sich die Abgeordneten verhalten, wenn die Kameras mal aus sind ;).

    Bin aber froh, dass du mit deinem Studiengang letzte Endes die richtige Wahl getroffen hast. Nichts anderes zählt.

    1. DailySpice ( User Karma: 0 ) says:

      Da gebe ich Dir Recht. Allerdings ist das auch nur meine jetzige Sichtweise und ich könnte mir vorstellen, dass sich diese Einstellung manchmal auch ändert. Ich denke auch nicht, dass all diese Dinge für Gaby keine Rolle spielen. Ich habe es ingsesamt eher so verstanden, dass sie Sex und Liebe als zwei unterschiedliche Dinge betrachtet. Ich sehe das aber auch so wie Du: Jeder wie er will 🙂

      Ja das finde ich tatsächlich auch toll, weil ich genau wie Du weiß, dass es nicht selbstverständlich ist!

      Klar gerne! Die Interviews sind mit Abstand auch das Spannendste! Es ist wie ein kleines Battle, bei dem Du versuchst, dem anderen Information zu entlocken, die er Dir eigentlich nicht geben will 😀

      Absolut! 🙂

      // Seb

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