Männerdomäne – Zarte Frau in hartem Job

Frauen, die sich für Maschinen, Baustellen oder IT interessieren, sind nach wie vor rar auf dem Arbeitsmarkt. Wir haben uns mit Sarah Penzkofer unterhalten und nachgefragt, wie es ist, als eine von wenigen Frauen in einem Männerberuf zu arbeiten. Muss sie sich gegenüber ihren Kollegen behaupten oder wird sie als gleichberechtigtes Mitglied im Team behandelt?

Hallo Sarah! Du arbeitest als Maler und Lackierer in Gummersbach. Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?

Sarah: Um 7.00 Uhr fahre ich zur Baustelle und treffe mich mit meinen Arbeitskollegen. Dann wird besprochen, welche Aufgaben erledigt werden müssen und wir legen los. Zwischendurch gucken die Arbeitskollegen wie weit man ist, geben Tipps oder Vorschläge wie man etwas verbessern kann. Teilweise hilft man sich gegenseitig, zum Beispiel, wenn sehr lange Tapetenbahnen an die Decke geklebt werden müssen. Um 12.00 Uhr haben wir eine halbe Stunde Mittagspause. Kurz vor Feierabend wird dann aufgeräumt und das Werkzeug wird saubergemacht.

„Manche Kollegen behandeln einen, als sei man ein Mann.“

Warum hast Du Dich für den Beruf entschieden?

Sarah: Ich habe früher schon mit meinem Papa renoviert und viel gemalt. Als es dann Zeit wurde, sich für einen Beruf zu entscheiden habe ich ein Praktikum als Maler und Lackierer gemacht und es hat mir sehr gut gefallen. Das hat mich letztendlich dazu bewogen, diesen Beruf zu ergreifen.

Was macht Dir an Deinem Beruf besonders Spaß?

Sarah: Man sieht nach Abschließen der Baustelle, was man geschafft hat und wie sich der Lebensraum (z.B. das Wohnzimmer) verändert hat. Die Kunden freuen sich über ihre neu gestalteten Wände. Außerdem gefällt mir das selbstständige Arbeiten und die Möglichkeit, kreativ zu sein.

Wie haben Deine Kollegen auf Dich reagiert, als Du neu in den Betrieb kamst?

Sarah: In meinem Ausbildungsbetrieb waren schon vor mir Frauen, außerdem hatten wir eine Gesellin. Frauen in dem Betrieb waren also nichts Ungewöhnliches. Ich bin dann vor einem Monat mit der Ausbildung fertig geworden und arbeite jetzt in einer anderen Firma. Da bin ich die einzige Gesellin, aber alle haben mich herzlich aufgenommen.

Wie ist es, als eine von wenigen Frauen unter Männern zu arbeiten?

Sarah: Ich werde ganz normal behandelt. Manche Kollegen versuchen, mir schwere Arbeit, wie beispielsweise das Tragen von Farbeimern, zu ersparen. Manche Kollegen wiederum behandeln einen, als sei man ein Mann und lassen einen dasselbe tragen und arbeiten, wie alle anderen auch. Man kann trotzdem jederzeit fragen, ob man Hilfe bekommt und diese wird einem dann auch nicht ausgeschlagen.

„Für die guten Leistungen wird man geschätzt und an den schlechten kann man arbeiten.“

Bekommst du öfter mal blöde Sprüche von Männern zu hören und wie gehst du damit um?

Sarah: Manchmal kommen Fragen, wieso man sich den Beruf antut, oder die Kollegen scherzen über einen. Aber jeder bekommt Sprüche und Seitenhiebe. Das ist auf Baustellen ganz normal. Schüchtern sollte man also nicht sein, aber das kommt auch mit der Zeit. Das Arbeiten soll ja Spaß machen und man sollte auch über sich selbst lachen können.

Fühlst du dich manchmal diskriminiert oder ausgegrenzt?

Sarah: Nein, das auf keinen Fall. Es wird ja auf die Leistungen geachtet und nicht, ob das jetzt ein Mann oder eine Frau macht.

Hast du eine Last, weil du dich beweisen musst?

Sarah: Eigentlich nicht, natürlich kann man sich selbst unter Druck setzen, aber jeder kann bestimmte Dinge gut und weniger gut. Für die guten Leistungen wird man geschätzt und an den schlechten kann man arbeiten.

Wäre es schön, wenn den Beruf mehr Frauen ausüben würden?

Sarah: Klar ist es schön, wenn man sich mal mit einer anderen Frau unterhalten kann, aber es ist jetzt nicht schlimm, dass diesen Beruf wenige Frauen ausüben. Es werden ja auch immer mehr, die sich für Männerberufe interessieren.

Was macht für Dich einen Männerberuf aus?

Sarah: Als Männerberuf sehe ich Arbeit, die Männer besser ausüben können, weil sie zum Beispiel mehr Kraft besitzen als Frauen. Ich finde aber, dass es heutzutage kaum noch reine Männer-, beziehungsweise Frauenberufe gibt. Jeder kann und sollte das machen, was einem am meisten Spaß macht.

„Mir kam es nie in den Sinn, dass ich mal auf einer Baustelle arbeiten würde, bis ich dann das Praktikum gemacht habe.“

Was wolltest Du als Kind einmal werden, wenn Du groß bist?

Sarah: Als Kind wollte ich Tierärztin werden, danach in einem Tattoo-Studio arbeiten und dann wusste ich eine ganze Zeit lang nicht, was ich überhaupt machen wollte. Mir kam es nie in den Sinn, dass ich mal auf einer Baustelle arbeiten würde, bis ich dann das Praktikum gemacht habe.

Woran liegt es Deiner Meinung nach, dass viele Frauen zurückhaltend auf Männerberufe zugehen?

Sarah: Ich denke mal, viele Frauen haben Angst, den körperlichen Ansprüchen nicht gewachsen zu sein oder haben die Befürchtung, sich unter den ganzen männlichen Arbeitskollegen nicht wohl zu fühlen.

Kannst Du manche Sachen im Beruf besser als Deine männlichen Kollegen?

Sarah: Vielleicht bin ich in manchen Dingen vorsichtiger, beziehungsweise feinfühliger als meine Kollegen. Jedoch haben diese dann wiederum Stärken, die ich nicht besitze. Ich finde es deshalb gut, in einem Team zu arbeiten. Jeder kann seine Stärken einbringen und um Hilfe fragen, wenn etwas nicht so funktioniert wie es soll.

Am Beispiel von Sarah sieht man, dass Vorurteile nicht immer zutreffen müssen. Sarah hat eine Firma und ein Team gefunden, in dem sie sich wohlfühlt. Warum sich aber trotzdem so wenige Frauen für einen handwerklichen oder technischen Beruf entscheiden, erfährst du im nächsten Beitrag „Arbeit von Frauen ist weniger wert?“.

// Peggy

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