Kernenergie – Wer hats erfunden?

Eine neue Technologie wird geboren: Die Kernenergie. 1938 fand die erste kontrollierte Kernspaltung statt. Doch nach ihrer Entdeckung verbreitete sie zunächst Angst und Schrecken anstatt Strom für die zivile Bevölkerung. Das Manhattan-Projekt brachte die Atombombe hervor, welche hunderttausende Tote von Hiroshima und Nagasaki kostete.

Acht Jahre danach machte der amerikanische Präsident Dwight D. Eisenhower in seiner berühmten „Atoms for Peace“-Rede vor der UN-Vollversammlung die Kraft der Kerne zum Inbegriff des Fortschritts und zum Segen für die Menschheit.
In Deutschland entstand 1957 in Garching der erste Testreaktor. Das erste kommerzielle Kernkraftwerk ging 1961 im unterfränkischen Kahl ans Netz, bis Ende der sechziger Jahre folgten sieben weitere. Diese Slidebar verdeutlicht die geschichtlichen Zusammenhänge des wissenschaftlichen Fortschritts:

Antoine Henri Becquerel entdeckt die Radioaktivität.

1896

Marie und Pierre Curie entdecken den Zerfall des Elementes Radium in andere Elemente, wobei ionisierende Strahlung abgegeben wird.

1898

Ernest Rutherford entwickelt seine Theorie vom Aufbau des Atoms und vom radioaktiven Zerfall. Darauf basierend entwickelt Niels Bohr später ein Atommodell.

1911

Otto Hahn und Fritz Straßmann gelingt der Nachweis der Spaltung des Uranatoms.

1938

Joliot, Halban und Kowarski weisen die bei der Kernspaltung freiwerdenden Neutronen nach, welche eine Kettenreaktion in Gang setzen.

1939

Im gleichen Jahr berechnen Liese Meitner und Siegfried Flügge die Größenordnung der bei der Kernspaltung freigesetzten Energiemengen.

1939

Der "Uranverein" erbaut unter der Leitung von Werner Heisenberg und Walther Bothe einen Versuchsreaktor, in dem bis Kriegsende (1945) keine sich selbst erhaltende Kettenreaktion erzeugt werden kann.

1941

Enrico Fermi konstruiert und baut mit seinem Mitarbeiterteam den ersten Versuchs-Kernreaktor. Sie setzen mit dem Chicago Pile No. 1 (CP-1) die erste kontrollierte Kettenreaktion in Gang.

1942

Am 20. Dezember wird im US-Staat Idaho mit dem Versuchsreaktor EBR 1 zum ersten Mal Strom durch Kernenergie erzeugt.

1951

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Der marxistische Philosoph Ernst Bloch schwärmte 1959 in seinem Buch „Prinzip Hoffnung“ von der Kernenergie: „Einige hundert Pfund Uranium würden ausreichen, die Sahara und die Wüste Gobi verschwinden zu lassen, Sibirien und Nordamerika, Grönland und die Antarktis zur Riviera zu verwandeln.“ Linke Gesinnung und Glaube an die Kernkraft sollten erst später zum Gegensatz werden.

Dis ins 21. Jahrhunderts fehlte die klimaschonende Alternative zur Kernenergie. Auch glaubte niemand daran, dass sich eine Katastrohe wie die von Tschernobyl wiederholen könnte. Es gab zwar auch in deutschen Kraftwerken immer wieder Störfälle, wie etwa 2001 in Brunsbüttel, wo eine kleine Wasserstoffexplosion ein Rohr vom Reaktorkern absprengte. Oder 1987 in Biblis: Dort konnte radioaktives Kühlmittel entweichen, weil ein Ventil nicht geschlossen war.
Erst der dritte große Reaktorunfall der Weltgeschichte, diesmal im Hochtechnologieland Japan, führte dazu, dass die Mehrheit der Deutschen das Restrisiko der Kernenergie nicht mehr in Kauf nehmen wollte. Albert Einstein soll einst gesagt haben: „Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung zu zertrümmern als ein Atom.“ – und hatte damit nicht ganz unrecht.

// Peggy

Die Quellen für den Beitrag findest Du hier.

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