Hilfe, ich bin Schwanger – Wenn junge Mädchen Kinder kriegen

In Deutschland wie in allen nordwesteuropäischen Staaten werden statistisch gesehen wenige Mädchen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren schwanger. Die Zahl der Kinder- und Jugendschwangerschaften beläuft sich auf ca. 20.000 Jährlich. Das sind 3% aller Mädchen unter 18 Jahren. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen entscheiden sich für einen Abbruch.

Für die meisten Jugendlichen ist die Schwangerschaft ungeplant und auch ungewollt. Je jünger die Mädchen bei der Empfängnis sind, desto häufiger kommt es zu Abtreibungen oder Totgeburten. Der Anteil der Abtreibungen liegt seit Jahren leicht über dem der Lebendgeburten. Diejenigen Mädchen, die sich für eine Abtreibung entscheiden, haben im Moment der Entscheidung eher bessere berufliche Chancen und klarere Zukunftsvorstellungen. Sie ziehen ihre berufliche Entwicklung also zunächst der Mutterrolle vor. In Westdeutschland entscheiden sich Mädchen und junge Frauen häufiger für einen Schwangerschaftsabbruch als in Ostdeutschland.

Das Durchschnittsalter, in dem Jugendliche das erste Mal Geschlechtsverkehr haben, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten kaum verändert. Es liegt relativ konstant bei 17 Jahren. Dennoch gibt es häufiger Ausreißer am unteren sowie am oberen Ende der Statistik. Während einige mit dem Sex noch warten, machen andere sehr viel früher die ersten sexuellen Erfahrungen. Rund 25 Prozent der 15-jährigen Mädchen in Deutschland hatten bereits Geschlechtsverkehr. Das ist noch sehr viel mehr, als vor 20 Jahren. Bei den Jungs geben heute 18 Prozent der 15-Jährigen an, schon mal Sex gehabt zu haben.

Ursachen für eine Kinderschwangerschaft

Bei einer Befragung antworten etwa 60% der Minderjährigen, die Verhütungsmittel oder -Maßnahmen (Kondome, Pillen, Berechnung der unfruchtbaren Zeit) hätten versagt. Über die „Pille danach“ weiß die Hälfte aller Mädchen nicht Bescheid. 10 % der Betroffenen wissen vor der 22. Woche nicht einmal, dass sie schwanger sind.

Eine weitere Ursache kann sein, dass viele derjenigen Mädchen, die sich für das Kind entscheiden, persönliche Schwierigkeiten haben. Dies können zum Beispiel Probleme in der Schule oder Ausbildung sein. Aber auch ein Mangel an Perspektiven für das spätere Leben. Indem sie früh eine Familie gründen, wollen diese Mädchen ihrem Leben nicht selten einen Sinn und sich selbst eine Rolle geben. Das würde auch erklären, warum die Quote der Lebendgeburten in den neuen Bundesländern so hoch ist. Dort sind die Chancen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt besonders schlecht.

Eine andere Ursache kann sein, dass sich viele der jungen Mütter nach Liebe und Geborgenheit sehnen, die sie in ihrer Familie eventuell nicht bekommen haben. Darum schaffen sie sich ihre eigene Familie und projizieren ihre Sehnsüchte auf das Baby.

Prävention

Da sich die meisten jungen Menschen während dieser Phase gerade in der Pubertät befinden, ist es für Eltern oft sehr schwer, auf sie einzuwirken. Auch kann man als Elternteil schnell das Gegenteil dessen bewirken, was man erreichen wollte. Wenn zu den Kindern aber trotz Pubertät ein gutes Vertrauensverhältnis besteht, sollten die Eltern auch über Liebe und Sexualität mit ihnen reden. Auch kann es sinnvoll sein, sich bei Beratungsstellen Tipps zu holen, wie man als Elternteil am besten an dieses Thema herangeht.

Außerdem braucht es in den Schulen zum Thema Aufklärung viel mehr ausgebildete Sexualpädagogen, welche den Unterricht begleiten. Das theoretisch vermittelte Wissen ist in der Praxis für viele nicht so leicht umsetzbar, weil die Jugendlichen auf die über sie hereinbrechenden Eindrücke und Gefühle nicht vorbereitet werden.

Im Vergleich zu anderen Ländern steht Deutschland aber sehr gut da. In der Dominikanischen Republik zum Beispiel sind Kinderschwangerschaften unter der armen Bevölkerung weit verbreitet. 60 % der Mütter unter 18 Jahren sind bereits verheiratet oder leben in einer Beziehung und haben ein oder mehrere Kinder. Die meisten Schwangerschaften bei Kindern sind leider das Ergebnis sexuellen Missbrauchs und Gewalt. Laut Rosa Elcarte von UNICEF gebären jeden Tag rund 13 Kinder in einem Alter von weniger als 15 Jahren ein Kind. Häufig werden die Minderjährigen sogar von Mitgliedern der eigenen Familie missbraucht. UNICEF kritisiert gerade die Duldung dieses Verbrechens in der dominikanischen Gesellschaft.

// Peggy

Die Quellen für den Beitrag findest du hier.

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