Alltagsrassismus – Unbewusste Präferenzen

Asiatinnen sind gut im Bett, Schwarze sind kriminell und können gut tanzen, Muslime schlagen ihre Frauen. Alltagsrassismus ist leider immer noch ein weit verbreitetes Problem in unserer Gesellschaft.

In der Studie „Die stabilisierte Mitte – rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2014“ der Universität Leipzig stimmten beispielsweise insgesamt 27,5% der Befragten der Aussage zu, dass die „Bundesrepublik durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“ sei. Das ist mehr als jeder vierte Befragte. Zu anderen rassistischen Aussagen war die Zustimmung ähnlich hoch.

Es trifft also nicht zu, dass es rassistische Einstellungen nur am rechten Rand der Gesellschaft gibt. Menschen, die nicht europäisch aussehen, werden schnell vorverurteilt, selbst wenn sie seit Generationen in Deutschland leben und zu ihren Wurzeln kaum noch einen Bezug haben. Es ist nicht nur der offene Rassismus durch gezielte Beleidigungen. Es ist auch die Zurückweisung an der Tür der Diskothek, der schiefe Blick im Bus, das ungefragte Wuscheln durch den krausen Afro einer fremden Person.

Fast jeder Mensch hat im Lauf seines Lebens rassistische Denkmuster verinnerlicht. Auch wenn man es nicht wahrhaben will und absolut überzeugt ist, nicht im Ansatz rassistisch zu sein. Dies kann jeder in einem von Harvard-Forschern und Wissenschaftlern der Universität Virginia und der Universität Washington entwickelten Selbsttest nachprüfen. Der Implizite Assoziationstest (kurz: IAT) zeigt unterschwellige Vorurteile auf und sagt Dir in Prozent, wie rassistisch Du bist. Am besten führst Du ihn an einem Desktop durch, da der Test eine Tastatur und schnelle Reaktionsgeschwindigkeit voraussetzt.

Die Forscher erläutern zwar auf der Webseite des Projekts, dass eine unbewusste Vorverurteilung nicht dasselbe ist, wie bewusste Vorurteile zu haben oder rassistische Diskriminierung aktiv zu unterstützen. Allerdings ist dies nicht wirklich tröstlich: Polizeigewalt in den USA zum Beispiel soll laut psychologischer Forschung ein Produkt der unbewussten Kategorisierungsmechanismen im Gehirn sein. Diese hätten den Polizisten fälschlicherweise signalisiert, dass der Mensch vor ihnen eine Gefahr darstellt. In diesem Zusammenhang werden die Fälle Trayvon Martin (17 J.) und Michael Brown (18 J.) aus den USA genannt.

Die Mehrheit der Gesellschaft bestimmt, was als „normal“ empfunden wird und wie sich wer zu integrieren oder anzupassen hat. Diese Norm wird in der Regel nicht hinterfragt.

Was tun gegen Alltagsrassismus?

Alltagsrassismus stellt ein offensichtliches gesellschaftliches Problem dar und schränkt die gleichberechtigte Teilhabe am sozialen Leben ein. Um dieses historisch gewachsene Denkmuster zu durchbrechen, ist es wichtig, dass wir offen über diese Folgen des Alltagsrassismus sprechen. Weite Teile der Gesellschaft tun sich jedoch schwer, Alltagsrassismus zu reflektieren – und schieben das Thema an den rechten Rand ab. Mit den eigenen Rassismen wollen sich viele nicht befassen. Um Rassismus abzubauen, ist es allerdings unverzichtbar, sich den eigenen Rassismen zu stellen.

// Peggy

Die Quellen für den Beitrag findest du hier.

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